Gegen Schwimmbadsterben in Deutschland

Projekt „Bäderleben“ soll Politik bei Entscheidungen helfen

Wie steht es um die Schwimmbäder in Deutschland? Die Website „Baederleben.de“ soll einen Überblick darüber geben. Die Hochschule Koblenz hat das Projekt gestartet und bietet damit auch eine Hilfe für die Politik, die über Bäderschließungen zu entscheiden hat.

Ein Beitrag im Deutschlandfunk

Rettet die Schwimmbäder

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hat eine Petition eingereicht die heute im Bundestag beraten wird: „Fast 60% der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer mehr – so eine von der DLRG in Auftrag gegebene repräsentative forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017; Ausbildungsangebote der schwimmausbildenden Organisationen gehen drastisch zurück, Wartelisten werden länger und Schulschwimmen als Schulsport findet vielfach nicht mehr statt. 25 Prozent der Grundschulen in Deutschland haben keinen Zugang mehr zu einem Bad – Schwimmausbildung wird so unmöglich.“ Deshalb rettet das Sachsenbad!

Offener Brief an Stadtrat

Der neue Stadtrat muss nun eine Entscheidung treffen. Die Erfahrungen in den Jahren unseres Engagements haben gezeigt, das dass Sachsenbad im Stadtrat keine ausreichende Lobby hat. Daher unser offener Brief an die Stadträte: Sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates der Landeshauptstadt Dresden, Sie werden in Kürze über das Schicksal des Sachsenbades in Dresden-Pieschen entscheiden. … „Offener Brief an Stadtrat“ weiterlesen

Der neue Stadtrat muss nun eine Entscheidung treffen. Die Erfahrungen in den Jahren unseres Engagements haben gezeigt, das dass Sachsenbad im Stadtrat keine ausreichende Lobby hat. Daher unser offener Brief an die Stadträte:

Sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates der Landeshauptstadt Dresden,

Sie werden in Kürze über das Schicksal des Sachsenbades in Dresden-Pieschen entscheiden. Wir, die Bürgerinitiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad!“ möchten die bisherige Entwicklung seit der Schließung des beliebten Bades vor 25 Jahren zusammenfassen, um die Dringlichkeit der Sanierung des Bades in städtischer Hand zu unterstreichen.

Die Sanierung des Sachsenbades wird seit Jahren vertagt!

Der Betrieb des Sachsenbades wurde 1994 eingestellt, weil es saniert werden sollte. Seitdem wird die Sanierung immer wieder vertagt. Wiederholt wurde das Bad zum Verkauf ausgeschrieben, um wiederholt zu scheitern – weil ein städtisches Bad eben ohne einen städtischen Beitrag nicht zu haben ist. Das wüsste inzwischen auch die städtische Bädergesellschaft. Warum kam es bis heute nicht zur Sanierung, obwohl der eklatante Mangel an Wasserfläche im Dresdner Nordwesten seit Jahren bekannt ist und es sich bei dem Gebäudeensemble zudem um ein erstklassiges Baudenkmal der Moderne handelt, die gerade, 2019, überall in der Republik gefeiert wird? „Es fehlt der politische Wille“ möchten wir den ehemaligen Baubürgermeister der Landeshauptstadt, Herrn Marx, auf einer Einwohnerversammlung in Pieschen zitieren.

Eine von der Stadt beauftragte Studie der Stesad aus dem Jahr 2009 zur Sanierung des Sachsenbades belegt, dass die Sanierung als zeitgemäßes Bürgerbad machbar ist und betont das besondere Potenzial des einzigen historisches Bades in Dresden.

Es ist an der Zeit, die Sanierung des Sachsenbad jetzt zu beschließen, das Bad der städtischen Bädergesellschaft zu übertragen und mit der Sanierung zu beginnen. Mit Beschluss des Sportentwicklungskonzeptes im April 2019 durch den Stadtrat wurde der besondere Mangel an Wasserfläche im Dresdner Nord-Westen erneut festgestelltdieser herrscht bereits 25 Jahre!

Für die Sanierung des Sachsenbades spricht auch der Mangel an verfügbaren Grundstücken für Neubauten. Der in den Raum gestellte Bau einer städtischen Schwimmhalle auf der Freifläche der Deutschen Bahn an der Harkortstraße ist mehr als ungewiss. Allein der Kauf des Grundstücks und seine Erschließung kosten mehrere Millionen Euro, sofern die DB das Grundstück überhaupt zum Verkauf stellt. Das Sachsenbad befindet sich im Eigentum der Stadt, der Fernwärmeanschluss wird durch EFRE-Mittel gerade hergestellt, planungsrechtlich ist die Nutzung aufgrund des Bestandsgebäudes gesichert. Die Planung kann sofort beginnen.

Die Bürgerinitiative hat ein Nutzungskonzept für das Sachsenbad als Bürgerbad erarbeitet. Über 4000 Bürgerinnen und Bürger unterschrieben Ende 2016 die Petition zum Erhalt des Sachsenbades als städtisches Bad mit dem Profil „Gesundheitsbad“. Dieses Konzept fand insofern die Zustimmung des Stadtrates als es in der Ausschreibung zum Verkauf zur Vorzugsvariante erklärt wurde. Das Sachsenbad ist noch tief im Gedächtnis der Bürger/-innen verankert, haben doch viele Menschen nach dem Krieg hier gebadet, Schwimmen gelernt oder gearbeitet. Es war das einzige Hallenbad in Dresden!

Sie haben die einmalige Chance, endlich das Versprechen von 1994 umzusetzen und das Denkmal Sachsenbad als städtisches Bad wieder der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.

Verhindern Sie den Verkauf des Sachsenbades!

Bitte setzen Sie sich jetzt für die Sanierung des Sachsenbades als städtisches Bad ein!

Mit freundlichen Grüßen,

Bürgerinitiative Sachsenbad

Ortsbeirat stimmt Vorlage zum Verkauf des Sachsenbades zu

Am 10. April stimmten alle Ortsbeiräte, bis auf zwei von vier Ortsbeiräten von Die Linke, der Ausschreibung des Sachsenbades mit dem Ziel, einen privaten Investor zu finden, zu. Die Ausschreibung sieht vor, es vorrangig als Rehabad/Gesundheitsbad zu sanieren, schließt aber andere Nutzungen nicht aus. Einerseits sind wir froh, das dass von uns erarbeitete Nutzungskonzept „Gesundheitszentrum Wasser – das neue Sachsenbad“ sich tatsächlich als die schlüssigste Nutzung bei der Variantenuntersuchung herausgestellt hat, andererseits  stellt das eine große Herausforderung für einen privaten Investor dar.

Wir werden nicht abwarten wie die Ausschreibung ausgeht. Auf der Bürgerversammlung am 9. April wurden Ideen für die Beschaffung von Finanzen angeregt, auch der Ortsbeirat hat den Stadträten mit gegeben, die Verwaltung zu beauftragen die örtliche Wirtschaft und eine städtische Gesellschaft in die Ausschreibung mit einzubeziehen. Hier der Bericht von der Sitzung von Pieschen Aktuell.

180411_PA_Ortsbeirat Pieschen stimmt Suche nach privatem Investor für Sachsenbad zu

Bürgernahe Veranstaltung der Grünen mit klaren Botschaften am 9. April 2018

Podiumsteilnehmer Torsten Schulze, Annekatrin Klepsch, Raoul Schmidt-Lamontain, Professor Dorothea Becker mit Moderatorin und Initatorin Kati Bischoffberger, Foto Jürgen Naumann

Wir danken Stadträtin Kati Bischoffberger für die Veranstaltung „Wie weiter mit dem Sachsenbad“. Die Vorstellung der Vorlage mit den Variantenuntersuchungen von Baubürgermeister Schmidt-Lamontain war transparent und erhellend. Wir verstehen die Absicht das Gebäude inklusive Konzept zu veräußern, da seitens der Bäder GmbH keine Bereitschaft besteht das Bad in den Bestand aufzunehmen und zu sanieren. Alle Finanzbürgermeister der letzten Jahre haben keine Leidenschaft gezeigt, Mittel für die Sanierung des Sachsenbades zur Verfügung zu stellen. Auch für die meisten Stadträte ist in den letzten Jahren die Sanierung des Bades nie vorrangig gewesen und die Stadträte der grünen und linken Fraktionen, die das Projekt zu großen Teilen unterstützen, haben nicht die Mehrheit im Stadtrat.
Vor diesem Hintergrund ist die Vorlage ein wichtiger und nachvollziehbarer Schritt. Dass wir uns allerdings wünschen das Gebäude in städtischer Hand zu belassen und damit auch den Einfluss auf die Nutzung zu wahren, ist wohl nachvollziehbar. Ob so oder so, wir setzen uns weiterhin für das Gesundheitsbadkonzept ein, welches auch die Vorzugsvariante der Stadt ist.

Hier eine gute Zusammenfassung der Veranstaltung auf Pieschen Aktuell.

180410_PA_Podiumsdiskussion zum Sachsenbad – großes Interesse an öffentlicher Nutzung

Heute (10. April 2018) ist das Sachsenbad Thema im Ortsbeirat

Im Tagesordnungspunkt 3.3 wird die Konzeptausschreibung des Sachsenbades vorgestellt, die gestern (9. April bei einer Veranstaltung von Bündnis 90/Grüne) auch schon vorgestellt wurde. Es ist eine öffentliche Sitzung, an der jeder teilnehmen kann.

Die Sitzung beginnt 18 Uhr und findet im Rathaus Pieschen, Bürgerstraße 63, im Bürgersaal (3. Stock – leider nicht barrierefrei) statt.

Tagesordnung

Danke für die Unterstützung – Kulturbürgermeisterin, Stadträtinnen und Stadträte, Bürgerinnen und Bürger unterstützen Revitalisierung Sachsenbad

Am 20. September trafen sich Unterstützer der Sachsenbadinitiative vor dem Atelier von Kati Bischoffberger, Künstlerin und Stadträtin, auf der Oschatzer Straße. Die Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch betonte die Bedeutung des Sachsenbades als baukulturelles Denkmal und befürwortet die Revitalisierung des Bades. Die Sachsenbadinitiative wird das Sachsenbad als Projekt für die Kulturhauptstadt vorschlagen. Es steht als Teil des Ensembels mit Bibliothek und Sportplatz an der Rehefelder/Wurzener Straße als herausragendes Beispiel für ein Stadtentwicklungsprojekt für eine soziokulturelle Entwicklung in einem Stadtteil.

20. September, 17:30 – Pressetermin mit Kulturbürgeremeisterin und Stadträten

Die Petition zum Erhalt des Sachsenbades ist gestartet damit das Sachsenbad wieder zu einer Stätte des Badens, des Schwimmen Lernens, der Gesundheitsvorsorge, des Entspannens und Treffpunkt für alle Generationen wird. Dafür werben wir um Unterstützung, auch um ein bedeutendes Stück Baukultur der Stadt zurück zu geben!

Wie es sein könnte wieder schwimmen gehen zu können im Sachsenbad zeigen wir mit einer Fotoaktion „Sprung ins Wasser“ am Dienstag den 20. September, 17:30 Uhr im  Atelier Kati Bischoffberger, Oschatzer Str. 5, 01127 Dresden. Dazu lädt die Künstlerin und Stadträtin Kati Bischoffberger und die Sachsenbadinitiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“  ein. Anwesend werden die Kulturbürgermeisterin Annekatrin Kleppsch, die Stadträt*innen Margot Gaitzsch, Kati Bischoffberger, Martin Schulte-Wissermann, Andreas Naumann, die Ortsbeirät*innen Heidi Geiler, Christian Helms, Maurice Devantier, die  Architektinnen Dorothea Becker, Claudia Rüdiger und weitere engagierte Bürger sein.

Eine Zeitreise

Das Sachsenbad in Dresden-Pieschen fristet heute – leerstehend und dem Verfall preisgegeben – sein Dasein. Aus bautechnischen Gründen wurde das Sachsenbad 1994 geschlossen – wohl in der Absicht, es nach einer umfassenden Sanierung wieder zu eröffnen. Diese steht bis heute aus!

Seit Jahren bemühen sich engagierte Bürgerinnen und Bürger in der Initiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad!“ des Vereins Pro Pieschen e.V. Befürworter/-innen unter den verantwortlichen Politiker/-innen zu gewinnen, Argumente für den Standort Sachsenbad zu sammeln und die Sanierung und Wiedereröffnung des Sachsenbades zu erreichen.

Die Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest hat sich mit der Geschichte des Sachsenbades befasst und verfolgt seit seiner Schließung die Diskussion um Erhalt und Wiedereröffnung.

Nachfolgend ein Ausschnitt dieser Recherchen. Allen, die dies unterstützt haben und daran beteiligt waren – herzlichen Dank!

Beginn

Am 7. Juli 1927 wurde durch die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Dresden der Bau eines Volksbades im Dresdner Nordwesten beschlossen und die Summe von 1,35 Mio RM zur Verfügung gestellt. Mit der Planung des Sachsenbades wurde der damalige Stadtbaurat Paul Wolf (1879 – 1957) beauftragt. 1928 wurde mit dem Bau des Volksbades Dresden-Nordwest in der Wurzener Straße in Dresden-Pieschen, später auch Sachsenbad genannt, begonnen. Am 2. November 1929 fand die Einweihung des Volksbades statt.
Mit dem Bau wurde die neuesten Erfahrungen auf dem Gebiet des Bäderwesens berücksichtigt und einem dringenden Bedarf entsprochen, der sich aus der großen Bevölkerungsdichte des Stadtteils und den schlechten Wohnbedingungen entwickelt hatte. Das Sachsenbad besaß eine Dampfbadeabteilung, 33 Wannenbäder, 14 Kurbäder, 2 Sitzbäder, 16 Brausebäder sowie einen Gymnastiksaal. Die Kurbadeabteilung stand unter der Leitung eines Arztes. Das Bad wurde mit einem Schwimmbecken von 25m x 11m eine der größten Schwimmhallen Dresdens. Bei sportlichen Veranstaltungen bot es auch Zuschauern und Zuschauerinnen Platz.

Das Baugelände lag am Rande des gründerzeitlich geprägten Stadtteils in der Nähe des alten Dorfkerns von Pieschen und bestand aus Schrebergärten und Ackerland. Der Hauptzugang zum Hallenbad erfolgte von der Wurzener Straße aus. An der östlichen Längsseite des Bades wurde in Verbindung mit einem Wohngebäude und der Stadtteilbibliothek in dessen Erdgeschoss ein räumlich gefasster Platz mit Schmuckanlagen und einem Kinderspielplatz angelegt. Gegenüber entstand als Teil des städtebaulichen Ensembles ein moderner Wohnblock von Hans Richter (1882-1971), einem der bedeutensten Architekten der sachlichen Moderne in Dresden.

Die äußere Erscheinung des Hallenbades folgt einer einfachen kubischen Form mit einem für das markante Oberlicht der Schwimmhalle ausgebildeten, abgetrepptem Dachaufbau. Die Fassaden wurden mit Kratzputz versehen, für Sockel, Haupteingang, Fensterumrahmungen, Gesimse usw. wurde Kunststein verwendet. Die Fenster wurden regelmäßig und durchgängig gereiht und charakteristisch für ein Badehaus als Kippflügelfenster ausgebildet. Die eigentliche Schwimmhalle wird durch den Dachaufbau besonders betont. Äußerlich auffallend ist auch der nach Art von Wasserhochbehältern aus der Gebäudemasse herausgezogene Raum für die Unterbringung der Kalt- und Warmwasserbehälter mit je 30 Kubikmetern Fassungsvermögen im Dachgeschoss. Um das Bad wirtschaftlicher zu gestalten, wurde zudem ein Brunnen gebohrt.

Jahre der Nutzung

Ab den 1930er Jahren fanden im Sachsenbad außer dem täglichen Badebetrieb auch Veranstaltungen und Sportwettkämpfe statt.Nach der Zerstörung der Dresdener Innenstadt am 13./14. Februar  1945 richtete die Deutsche Post als Ersatz für das beschädigte Postscheckamt am Postplatz im September 1945 operativ einen Filialbetrieb in den Räumen des unzerstörten Sachsenbades ein, der Anfang 1947 in das zentral gelegene Gebäude der Sozialversicherungskasse am Sternplatz umzog.

Anfang der 1950er Jahre wurde das Sachsenbad wieder seiner alten Bestimmung übergeben. Da das größte und modernste Hallenbad der Stadt, das Güntzbad 1945 zerstört wurde, konzentrierte sich alles auf das Sachsenbad. Im Jahre 1967 konnte das Sachsenbad jährlich über 300.000 Besucher begrüßen. Täglich wurden durchschnittlich 10-13 Tonnen Rohbraunkohle (im Winter bis zu 20 Tonnen) verheizt.

Nach Sturmschäden wurde im Winter 1972/73 das Bad wegen Renovierung geschlossen. Die vier Kessel für Siebkohlefeuerung machten Platz für sechs Niederdruckkessel. Diese wurden mit festen Brennstoffen, wie Koks und Briketts, gespeist und belasteten die Umwelt weitaus weniger als die alte Anlage. Am 5. März 1973 wurde das Sachsenbad wieder eröffnet.

In den 1980er Jahren wurden abschnittsweise die einzelnen Bereiche hinsichtlich der Ausstattung saniert. Der fertiggestellte Wannenbäderbereich konnte 1983 wieder zur Nutzung übergeben werden.

1986 wurde die Schwimmhalle mit einem öffentlichen Badeball wieder eröffnet. Im Jahre 1987 wurde die Erneuerung des Irisch- Römischen Dampfbades abgeschlossen und die Bowlingbahn fertiggestellt. Es entstanden neben dem Schwimmbecken weitere Möglichkeiten: Tischtennis, Kegelbahn, Solarium. 1989 wurde die Neugestaltung des Foyers abgeschlossen. Insgesamt wurden über 3,5 Mio Mark in dieser Zeit für die Rekonstruktion des Sachsenbades aufgewendet. Eine grundlegende konstruktive und haustechnische Sanierung fand jedoch nicht statt.

1991 wurde das Heizhaus auf Ölfeuerung umgestellt. Das Wasser ließ sich nun auf mehr als 30°C erwärmen, was für das Kinder- und Schwangerenschwimmen von Bedeutung war. An zwei Abenden der Woche stand das Hallenbad FKK-Freunden zur Verfügung. Im Haus befanden sich zeitweilig ein privat betriebener Imbissstand und eine Videothek.

Drei Badehosen für das Sachsenbad in Pieschen

Am 26. Oktober 1992 beschreibt ein Artikel in der Morgenpost die Situation des Sachsenbades wie folgt und vergibt in einer vergleichenden Bewertung der Dresdner Schwimmbäder drei von fünf „Badehosen“:

„Das Bauhausgebäude zeigt sich außen grau in grau. Duster auch die Vorhalle. Schön dagegen die Balustrade und Säulengang. Leider stehen hier keine Liegestühle – sonst könnte man herrlich abspannen. Im 25-Meter-Becken tummeln sich die Kinder, können wild planschen. Das ist ganz schön laut, stört aber niemanden. … Sauber, aber sanierungsbedürftig sind Römisches Bad und Sauna. In den Duschen stinkt es penetrant nach Klostein, auch hier Sanierungsbedarf.Nachteilig die Umkleidekabinen. Von der Straße aus haben Fußgänger freie Sicht auf die Nackedeis. Keine Einzelkabinen, dafür hängen die Kleiderhaken tief. Das ist kinderfreundlich. Dagegen wenig kundenfreundlich: Kein Imbiss, keine Getränke. … Die Sanierung des Sachsenbades steht schon vor der Tür. 1993 soll es für mehrere Millionen Dresdens schönstes Bad werden.“

Anfang Dezember 1992 wurde im Stadtrat der Stadt Dresden beschlossen, das Sachsenbad mit einem Aufwand von 28 Mio DM zu sanieren. Wegen größerer Mängel stiegen diese Kosten jedoch auf über 40 Mio DM.

Im Juni 1993 wurden die Gesamtkosten von ca. 43 Mio DM wurden auf 36,2 Mio DM gekürzt. Im Juli 1993 wurde vom Unterausschuss Bauund Bauplanungsfragen einer Beschlussvorlage für den Umbau und die Modernisierung des Sachsenbades zugestimmt. Diese wurde jedoch von Stadtrat abgelehnt. Seit 1994 ist das Sachsenbad geschlossen.

 

So könnte es gehen

Revitalisierung Sachsenbad
Das Dresdner Bad für Gesundheit und Hydrotherapie

Das historische Sachsenbad – Baudenkmal und wichtiger Teil eines städtebaulichen Denkmalensembles – soll als städtisches Bad für Gesundheit und Hydrotherapie revitalisiert werden und kann mit diesem besonderen Profil eine Angebotslücke in der Dresdner Bäderlandschaft überzeugend schließen. Während in anderen Bädern wie im Arnoldbad Saunabereiche aufwendig nachgerüstet werden, stehen im Sachsenbad Flächen ehemaliger Wannen- und Duschbäder für Gesundheit, Therapie
und Wellness zur Verfügung. Neben Sauna, Kneipp-Anwendungsräumen, Wickel- und Packungsraum sowie Unterwassermassage könnte die Einordnung eines Pflegebades älteren und behinderten Bürgerinnen und Bürgern medizinische und Reinigungsbäder ermöglichen.
Der kompakte Baukörper und dessen innere räumliche Struktur ermöglichen einen energetisch wirtschaftlichen Betrieb. Das räumliche Potenzial des Sachsenbades wird in der vorliegenden STESAD-Studie überzeugend nachgewiesen. Die mögliche Einordnung der Umkleide- und Sanitäranlagen des benachbarten Sportplatzes dient der effektiven Entwicklung der städtischen Liegenschaft. Die im Rahmen des EFRE-Gebietes Dresden-Pieschen 2015-2020 realisierte Fernwärmeversorgung, ermöglicht die Anbindung an das Fernwärmenetz und damit wird ein energetisch hervorragender Standard erreicht. Zudem
wird die Fläche des Heizkraftwerkes frei und steht für die Entwicklung des Bades zur Verfügung. Mit den Straßenbahnlinien 13, 9 und 4 sowie die Buslinien und die S-Bahn ist das Bad sowohl mit dem Dresdner Nordwesten und darüber hinaus mit der Gesamtstadt und dem Umland hervorragend vernetzt. Neben den im unmittelbaren Umfeld liegenden Bedarfsträgern wie Kitas, Schulen, dem nahen Krankenhaus Neustadt, dem benachbarten Ärztehaus Mickten oder dem Berufsbildungszentrum für Soziales profitiert von diesem Standort die Gesamtstadt. Mit dem besonderen Profil für Gesundheit und Hydrotherapie würde das ehemalige Volksbad wie zu seiner Entstehungszeit zu einem Zeugnis sozialer und kultureller Verantwortung wie auch stadtpolitischer Weitsicht.

Zum Glück ein Denkmal!
Für die Finanzierung kommt insbesondere dem hohen Denkmalwert des Sachsenbades und dem städtebaulichen Gesamtensemble eine herausragende Rolle zu. Nur für ein Denkmal, zudem mit dem sozialpolitischen Schwerpunkt „Gesundheit und Hydrotherapie“, ist es überhaupt denkbar, Fördermittel des städtebaulichen Denkmalschutzes und/oder Fördermittel des Programms „Soziale Stadt“ zu erhalten. Die notwendige Investitionssumme für die Stadt Dresden könnte dadurch entscheidend reduziert werden. Trotz der deutlich höheren Investitionskosten für die Sanierung wäre das Sachsenbad durch diese Fördermöglichkeiten für den Haushalt der Stadt eine geringere Belastung als jeder andere Badneubau. Um dieses Ziel bis 2020/21 zu verfolgen, sind
schon heute die strategischen Beschlüsse des Stadtrates notwendig. Als Grundlage dafür ist durch die Dresdner Bäder GmbH das denkmalgeschützte Sachsenbad in das mittel- und langfristige Bäderkonzept 2020+ mit seinem sozialen Schwerpunkt „Gesundheit und Hydrotherapie“ aufzunehmen.

Schwimmen im Dresdner Nord-Westen
Bedingt durch seine besonders hohe Besiedlungsdichte, dem höchsten Anteil junger Familien mit kleinen Kindern und einem Einzugsgebiet von 200.000 Einwohnern/-innen besteht im Dresdner Nord-Westen die zwingende Notwendigkeit einer Einrichtung wie das Sachsenbad mit dem entsprechenden Nutzungsprofil. Die einzige im Dresdener Nord-Westen gegenwärtig genutzte Schwimmhalle in Dresden-Klotzsche leidet seit Jahren unter einem grundlegenden Sanierungsbedarf. Zusammen mit einer Turnhalle und einem Sportplatz wurde sie als Teil der NS Luftkriegsschule 1935 errichtet. Als Gesamtensemble steht die Anlage unter Denkmalschutz. Schwimmhalle, Dreifachturnhalle und Sportplatz werden durch die Dresdner Bäder GmbH betrieben. Umfangreiche Investitionen in diese Schwimmhalle können nur im Rahmen eines Gesamtkonzeptes für die Liegenschaft erfolgen, wobei Flughafennähe und die periphere Lage zu berücksichtigen sind. Bevor der Betrieb der Schwimmhalle Klotzsche wegen des baulichen Zustandes eingestellt werden muss, ist im Dresdner Nord-Westen eine neue Schwimmhalle dringend notwendig, die bisher in keinem Konzept Berücksichtigung findet. Ohne Grundstückskosten ist mit mind. 10 Mio. EUR Baukosten zu rechnen, um ein Bad wie die gerade fertiggestellte Schwimmhalle Bühlau zu errichten. Der Standort einer „Schwimmhalle Nord-West“ müsste möglichst zentral im Versorgungsgebiet bzw. Haupteinzugsbereich liegen – wie das Sachsenbad eben.

Dresdner Bäder GmbH
2012 wurde vom Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden die Dresdner Bäder GmbH als Tochterunternehmen der Technischen Werke Dresden GmbH (TWD) gegründet. Sie betreibt bzw. verwaltet die derzeit 15 Bäder der Stadt Dresden. Entsprechend der Eigendarstellung liegt die Aufgabe der Dresdner Bäder GmbH darin, „die dauerhaften und bedarfsgerechten
Leistungen für alle Nutzergruppen (Einwohner/-innen, Gäste der Stadt, Schulklassen und Sportvereine) anzubieten und die erforderlichen baulichen Investitionen an den Bädern durchzuführen. Neben den bestehenden Frei- und Schwimmbädern werden auch Neubauten … geplant und realisiert.“(vgl. http://dresdner-baeder.de/, aufgerufen am 1.10.2015). Öffentliche Bäder sind als soziale Infrastruktur in der Regel auf eine Bezuschussung angewiesen. Dennoch liegt das Interesse notwendiger Weise auch auf einem möglichst wirtschaftlichen und nachhaltigen Betrieb der Einrichtungen. Bis 2019 stellt der Mutterkonzern, die Technischen Werke Dresden (TWD) lt. Medienberichten von den geplanten 60 Mio. Euro für Investitionen rund 46 Millionen Euro Kapital und Darlehen für die Dresdner Bäder zur Verfügung (SZ v. 6.2.2015). 2016/17 werden in das Georg Arnold Bad 7,5 Mio EUR investiert (SZ v. 6.2.2015). Für die Schwimmhalle Prohlis ist mittelfristig ein Ersatzneubau angedacht. Erst mit Fertigstellung der Schwimmhalle Dresden Bühlau, der Erweiterung/Sanierung des Schwimmsportkomplexes Freiberger Straße und der Sanierung des Arnoldbades kann ab 2018/2019 das Sachsenbad in Angriff genommen werden. Nach 2018 kann und muss im Bereich städtische Bäder im Dresdner Nord-Westen investiert werden. Aber um dann auf Fördermittel zurückgreifen zu können, müssen heute die stadtpolitischen Weichen gestellt werden.