Zeitzeugen erzählen

Treffen mit Zeitzeugen am 18. August 2018 im Stadtteilhaus EMMERS, Foto: Claus Gigga

2018 riefen wir Zeitzeugen auf, uns Erlebnisse rund um das Sachsenbad zu erzählen. Über 60 Geschichten erreichten uns! Daraus entstand eine Ausstellung in denen Auszüge aus diesen Geschichten zu lesen sind. Auf dieser Seite veröffentlichen wir nach und nach die gesammlten Berichte.

… ich las heute im Wochenkurier den Artikel über das Sachsenbad.
Für mich ist daran eine einzige Erinnerung geknüpft: der Schwimmunterricht in der 4. Klasse. Ich ging damals in die 3. Oberschule auf der Bernhardstraße, Südvorstadt, heute ist sie das Fritz-Löffler-Gymnasium. Für mich war schon die Fahrt mit der Straßenbahn dorthin voller Erwartungen, obwohl ich in diesem Unterricht nie richtig schwimmen gelernt habe. Unsere Lehrerin war nicht sehr sensibel, und ich hatte damals eine große Scheu vor der Wassertiefe. Auch vor dem Reinspringen musste ich mich überwinden, und manchmal bekam ich schon mal einen Schubs, dass ich springen musste. Aber das ist schon 51 Jahre her.
Ich würde es ebenfalls begrüßen, wenn dieses Bad wieder saniert werden würde. Es könnte mich interessieren, wie die Räume sich verändert haben…

Gerhild Bäßler

… ich weiß noch wie das Sachsenbad ca. 1968/1969 aussah. Meine Mutti ging mit mir regelmäßig zum Vorschulschwimmen und da ich September 1970 eingeschult wurde, muss es in den zwei Jahren gewesen sein (In der 2. und 4. Klasse) hatten wir dann Schulschwimmen in der Schwimmhalle Klotzsche. Bus Nr. 91 fuhr damals von der Karl-Marx-Straße über die Wurzener Straße.
Ganz hinten war das Nichtschwimmerbecken. Der Ausgang aus dem Wasser war links eine lange Treppe. Schwimmen hat mir immer gefallen, aber dann das Springen am Ende vom Beckenrand war immer wieder für mich nein!!!!!
Ich mochte und mag kein Reinspringen ins Wasser. Bin dann einmal reingesprungen und habe mich im Wasser aufgehalten (versteckt hinten links in der Ecke). Die Gummibadekappen waren auch komisch und nervig…

Gabriele Birkner

…ich bin damals ganz in der Nähe aufgewachsen. Ich war als Kind öfters zu den normalen Öffnungszeiten da mit Freunden in der Halle baden, habe da meinen Schwimmunterricht der Schule gehabt und jeden Samstag war ich mit Mutti in der Badewannenabteilung Baden, weil es in der Wohnung nur eine Toilette gab.
Das Bad war ein Teil meiner Kindheit und es sollte wirklich erhalten und wieder aufgebaut werden. Ich denke ich war mit meiner Mutter nicht die einzigen deren Leben das Bad mit bereichert hat…

Mirko Derlich

…ich habe leider keine Verbindung mehr zum Sachenbad allerdings meine Oma, sie war viele Jahre Schwimmmeisterin im Sachsenbad. Sie hat somit vielen Kinder wie auch meinem Vater das Schwimmen beigebracht. Sie erzählte mir oft das es vor der Schließung noch eine Sanierung gab, bis auf die Pumpen die hätte man noch austauschen müssen. Das Geld war aber damals nicht dafür vorhanden und so hat man die alten Pumpen erst mal belassen. Vor einigen Jahren ist dann eine Mitschülerin von mir vom Dach des Sachsenbades gestürzt und an den Verletzungen verstorben…

Mandy Frasiak

…ich habe in den fünfziger Jahren Schwimmen auf Rezept im Sachsenbad gelernt. Der Schwimm-Lehrer war Herr Ursan aus Meißen, vormals Artist. Ein äußerst strenger Lehrer mit dunklem Teint. Bin sodann im Sachsenbad bis zum Fahrtenschwimmer, wie sich das nannte, gekommen. Auf Einladung von Herrn Ursan hatte ich noch angefangen, Rettungsschwimmer zu werden, was sich dann aber zerschlug. Meine bereits erlangten Kenntnisse machten es später möglich, meinen Sohn vor dem Ertrinken in der Ostsee zu retten.

…Schwimmen auf ärztliche Verordnung, Rezept (SVK = Einheitskrankenkasse in der DDR, “Sozialversicherungskasse”), gab es zur Stärkung der Rückenmuskulatur im Kindesalter (Rundrücken).
In der DDR existierten 2 Stufen: 15 Minuten und Fahrtenschwimmer zu 45 Minuten mit Startsprung. Beides im tiefen Wasser. Leider ist mir das Zeugnis abhanden gekommen.
Das bauliche Innenleben des Bades hat auf mich kleinen Kerl tiefen Eindruck gemacht.
Das Sachsenbad war sehr frequentiert, zu bestimmten Zeiten für die Bewaffneten Organe reserviert…

… schönstes Beiwerk war, für 0,08 Pfennig der DDR (bezahlte auch die SVK), eine Fahrt mit dem alten, harten Ikarus-Bus von beziehungsweise nach Mickten (Straßenbahnhof) zur Straßenbahn. Ich wohnte in Coswig
Es gab im Anfang Gummischwimmkissen (wenn ich mich richtig erinnere rechts und links ein Kissen, in der Mitte ein Verbindungs-gürtel). Der Schwimmlehrer beaufsichtigte mit einer Stange am Beckenrand…

Detlef Gasch

… mein Vater ist Jahrgang 1922. Er hat mit seinem Vater das Ausschachten der Baugrube verfolgt. Das soll nach seiner Erzählung mit Schaufel und Schubkarre erfolgt sein.
Seine Schwester ist Jahrgang 1931 und lernte im Bad schwimmen. Natürlich auch ich (Jahrgang 1948), meine Cousine und deren Kinder. Der erste Sprung vom Turm wurde mit einem Eis für 20 Pfennige belohnt. Das gab es neben dem Eingang links.
Nachfolgende Generationen konnten leider die Traditionen nicht mehr fortsetzen, nicht nur weil das Eis teurer wurde.
Erzählt wird über meine Oma, dass sie sich regelmäßig den Besuch des irisch-römischen Dampfbades gönnte.
Ihre Tochter (also meine Tante) wurde währenddessen im Vorraum auf der Bank „geparkt“ und hat jetzt noch die große Uhr bildlich vor Augen. Beim Bäcker in Pieschen gab es anschließend Kuchen.
In Ermangelung von häuslichen Bädern nutzte man die Wannenbäder.
Nicht unerwähnt soll die „medizinische Abteilung“ bleiben. Meinem Onkel verpasste man dort die Glissonschlinge. Was das auch immer für ein Martyrium gewesen sein mag, ich hoffe, dass verständlich wurde, warum so viele Dresdner noch an diesem Gebäude hängen.

Gunter Jork

… danke an alle,die sich für den Erhalt des Sachsenbades einsetzen! Wir verfolgen regelmäßig die Initiativen, sind aber durch Krankheìt nicht in der Lage,aktiv mitzuwirken.Wir sind Befürworter! des Erhalts. Wir, mein Mann H-D Hantusch und ich, eine Frau, haben uns im Sachsenbad kennen gelernt. Er war Rettungsschwimmer (1969/ 70 ?) im Sachsenbad mit seinen Freunden R. Sennewald,Th. Läppchen und andere und ich als EOS -Schülerin musste mich auf meine Schwimmprüfung mit einer 2. Lage, dem Kraulen, vorbereiten. Also ging ich sonnabends regelmäßig vor Schließung, da konnte man 1 Stunde schwimmen und baden, es waren da auch weniger Leute im Wasser. Die jungen Männer amüsierten sich über meinen Schwimmstil. Aus diesen Besuchen wurde Freundschaft, Liebe und seit 44 Jahren sind wir verheiratet. Habe auch eine Mutprobe bestanden, den Sprung vom 3- m- Turm während der Sportprüfung, also keine Note 5 auf dem Zeugnis. Übrigens, mein Sportlehrer war der Herr Läppchen, also der Vater von Th. Läppchen, der Freund meines Freundes. Ich durfte mich ja nicht blamieren. Diese Jahre waren eine meiner schönsten, die Erinnerungen an das Sachsenbad möchte ich nicht missen.

Gerlinde Hantusch

… ich ging von 1958 bis 1968 in die 41. POS HAUPTMANN STR. in DD Mickten und lernte im SABA in DD Pieschen Schwimmen im Rahmen des Gesetzlichen vorgeschriebenen Unterrichts, dem Schulschwimmen.
Ich glaube es war ab der 5. Klasse. Wir zogen geschlossen als Klasse mit unseren sogenannten Campingbeutel an der Schule. Wenn man mal Glück hatte, kam ein Vater mit einem dicken SJUWIEEEEEE Marke Trabant 601 vorbei und nahm die Schwimmbeutel samt Inhalt mit. Super, man hatte die Haende frei und konnte schon auf dem Weg bis ins Saba schon Trockenschwimmen!

Hans-Dieter Hantusch

… ich bin 68 Jahre alt und meine Kindheit und Jugend ist sehr stark mit dem Dresdner Sachsenbad verbunden. Damals wohnte ich mit meiner Mutter in Dresden-Pieschen in einer sehr einfachen 2 Zimmer Altbauwohnung, die kein Bad hatte. Jede Woche gab es einen besonderen Tag für mich, dass war der Freitag, denn da ging meine Mutter mit mir ins Wannenbad im Sachsenbad. Man löste im Erdgeschoss an der Kasse des Bades ein Ticket und konnte dann in der ersten Etage ins Wannenbad gehen. Dort gab es viele Badezimmer mit jeweils einer großen Badewanne darin, in der man – je nachdem für wie lange man das Ticket gelöst hatte – baden konnte. Für mich war das immer eine große Freude.
Als ich acht Jahre alt war erhielt ich aufgrund eines orthopädischen Problems Schwimmunterricht im Sachsenbad. Ich hatte also einen Schwimmlehrer ganz für mich allein und der lernte mir sogar das Schwimmen. Meine Mutter durfte zuschauen und freute sich, dass ich am Schwimmen so großen Gefallen fand. Im Juli 1958 war es dann soweit. Ich schwamm wie immer meine Bahnen. Der Schwimmlehrer fragte mich ob ich vielleicht mal versuchen möchte etwas länger ohne Unterbrechung zu schwimmen. Ich wollte es versuchen. Nach einiger Zeit verkündete er mir stolz, dass ich es geschafft hatte 15 Minuten ohne Unterbrechung zu schwimmen und somit das „Freischwimmerzeugnis“ bekommen würde. Zu meiner Mutter sagte er dann noch: „ Jetzt hat sich die Kleine aber eine Bockwurst verdient!“ So kam es dann auch, ich erhielt das „Freischwimmerzeugnis“ und eine Bockwurst als Belohnung! Was für ein Luxus in dieser Zeit!
In den weiteren Jahren war ich ständiger Besucher des Hallenbades, ob mit Freunden oder allein. Wenn wir Glück hatten wurde der 3 Meter Sprungturm freigegeben und wir konnten aus großer Höhe hinab ins Wasser springen.
Den Verfall und die spätere Schließung des Sachsenbades habe ich sehr bedauert.
Ich wünsche den Initiatoren viel Erfolg bei der Suche nach einem Investor, der das Sachsenbad denkmalgeschützt saniert und als Hallenbad wiederbelebt. Mit großer Sicherheit würde das von der Bevölkerung mit Freude angenommen. Dresden hat doch kaum Schwimmhallen die von der breiten Öffentlichkeit genutzt werden können. So wäre es doch für die Stadtteile Pieschen, Trachau, Trachenberge, Leipziger Vorstadt u.v.a. eine wahre Freude ein Schwimmbad zu bekommen!

Margot Kirsten

… ich habe 1992 meine Schwimmprüfung im Rahmen der Sportprüfung für den Realschulabschluss im Sachsenbad abgelegt. Mein Verhältnis zu Schwimmbädern und Seen war nie das Beste. In der 4. Klasse hatte ich Schwimmunterricht auf der Steinstraße in Dresden. Das Becken war durchgehend tief und die Schwimmlehrerin legte einen NVA-Befehlston an den Tag verbunden mit völliger Empathielosigkeit gegenüber den Ängsten von Nichtschwimmerkindern vor tiefem Wasser. Zudem war ich in den Sommerferien zuvor im Ferienlager, wollte dort bereits enthusiastisch schwimmen lernen und ertrank bei diesen Versuchen beinahe. Niemand half mir, die Betreuerin stand mit den Händen vor dem Mund da, als ich mich aus eigener Kraft wieder an die Wasseroberfläche kämpfte.
Diese beiden Erlebnisse waren prägend und nach dem Schwimmunterricht war ich die nächsten Jahre auch nicht mehr schwimmen gewesen.

Katja Kretzschmar

… ich war Schülerin der 41. POS von 1974-1984. Auch meine Klasse hat dort schwimmen gelernt. Außerdem haben wir viel Zeit in diesem Bad verbracht und natürlich viel Spass gehabt. So ca. 5. oder 6. Klasse sind wir jeden Freitag im Bad gewesen. Danach gings noch ab in die Bibliothek. Die war gleich nebenan. Eine schöne Zeit.
Aber das ist nicht alles. Das Sachsenbad hatte ja auch Wannenbäder. Das war für die ein Erlebnis die zu Hause keine Bad und Wanne hatten. Es gab in der Küche nur ein Waschbecken. Mit meiner Mutter bin ich in regelmäßigen Abständen baden gewesen. Die Abteile waren mit einem Vorhang versehen. Man mußte manchmal bissl warten bis man dran war und dann war es einen Wohltat mal zu baden.
Das sind meine Erinnerungen. Ich hoffe ich kann dazu beitragen das man sich besinnt den Wiederaufbau des Bades zu fördern. Ich denke viele Menschen werden es nutzen. Vorallem die Kinder.

Simone Kroh

… ich habe im Sachsenbad auch Schwimmunterricht gehabt.
1955 ging ich in die 5. Klasse in die 32. Mittelschule, die heutige „Sieben Schwaben-Schule“ in Strießen , auf der Hofmannstraße. Von dort fuhren wir einmal in derWoche mit der Staßenbahn bis eine H vor dem Trachenberger Platz und liefen zum Sachsenbad, bei Wind und Wetter.Dort habe ich schwimmen gelernt, das Freischwimmer- 15 min. schwimmen & das Fahrtenschwimmer- 45 min schwimmen- Zeugnis abgelegt.
Nach dem Schwimmen war ich immer sehr hungrig und aß mit großem Genuß auf dem Weg zur Straßenbahn meine „Fettbemme“ hmmm.
Später, als ich Erwachsen war, bin ich oft nach der Arbeit mit meiner Schwester ins Sachsenbad gefahren, in die Sauna. Die war schon damals super modern, mit verschiedenen Duschen, unterschiedlichen Saunen und zwei großen Tauchbecken warm & kalt.
Ich möchte „Endlich Wasser ins Sachsenbad “ Es gehört zu Dresden – Pieschen, wie die Frauenkirche ins Zentrum und alle anderen Baudenkmäler in unserer Stadt !!!

Bianka Kurze

… ich habe auch noch persönliche Erinnerungen an das Sachsenbad. Ohne das Sachsenbad, wäre ich nicht das, was ich heute bin. Es war der Ort, an dem ich die Möglichkeit bekam, meine Zukunft zu sichern! 1972 habe ich begonnen an der TU Dresden zu studieren. Zu dieser Zeit war Sport an der TU ein Pflichtfach. Ab dem dritten Studienjahr konnten wir dann eine sportliche Richtung auswählen. Als leidenschaftlicher Schwimmer kam nur das Schwimmen infrage. Einmal die Woche ging es frühzeitig, ich glaube, es war 6:00 Uhr morgens, mit Studenten verschiedener Fachrichtungen (Sektionen) ins Sachsenbad.
Unter den Studenten war auch das Superhirn der Sektion Mathematik. Er bekam damals das höchste Leistungsstipendium. Genau wie Albert Einstein hatte er auch eine musische Seite. Aus dem Supermathematiker wurde der „ betrunkene Sachse“, der es auch zu einem Eintrag bei Wikipedia schaffte. Sie raten richtig, es ist Olaf Böhme. Zu dieser Zeit hatte eine Kommilitonin und ich gerade Schwierigkeiten in einem mathematischen Fach. Wir hatten in diesem Fach Null Durchblick und waren zweimal durch die Prüfung gerauscht. Eine letzte Chance gab es noch. Wenn wir wieder versagten, wäre es dann die Exmatrikulation gewesen. Wir wollten, dass uns Olaf Böhme half, aus dieser Misere zu kommen, also Nachhilfeunterricht durch ihn. Allerdings trauten wir uns vor lauter Ehrfurcht vor ihm nicht, ihn anzusprechen. (Damals war das eben so.)
Aber ein anderer Mitschwimmer aus der Sektion Mathematik half uns dann. Er konnte so gut erklären und uns den Stoff so gut rüberbringen, dass wir die Logik der Aufgaben verstanden und in der Prüfung auch anwenden konnten. Meine Kommolitonin bekam eine Zwei und ich eine Eins. So konnte ich mein Diplom machen und war bis 2017, ausgenommen ein Jahr Arbeitslosigkeit, in meinem Beruf tätig.

Ulrike Kunze

… mein Name ist Ute, Jahrgang 1955. Unsere Mutti zog ca. 1965 mit uns von Seiffen nach Dresden-Übigau.
Schwimmen konnte ich in Seiffen leider nicht lernen und hatte mehr als nur Respekt vor jedem Nass, dass „tiefer“ als eine Pfütze war.
Dementsprechend gestaltete sich für mich Erzgebirgskind der Schwimmunterricht im Sachsenbad zum Schlimmsten was ich bis dahin erfahren hatte. Schon der „Chlorgeruch“ drehte mir den Magen um und das ist auch heute noch so ;-( Die Geräuschkulisse gab mir den Rest.
Eigentlich wollte ich wirklich schwimmen lernen, gab diese Hoffnung jedoch schnell auf, nachdem man uns gleich zu Beginn einfach so ins zugegebenermaßen flache Wasser schubste. Die Sache war für mich in dem Moment komplett gelaufen, als wir uns am Rand Hand in Hand aufstellen mussten und auf Pfiff alle zusammen ins Becken springen sollten. Noch heute ist diese Aktion in meinem Kopf…. Einige wollten gehorchen, andere blieben voller Angst stehen und hielten die „Mutigen“ krampfhaft fest. Die „hingen“ dadurch einen Moment zwischen Rand und Wasser. All das wurde durch Kindergeschrei und Schimpfen des Schwimm“Lehrers“ noch verschlimmert. Es folgten noch einige ebenso unerfreuliche Erlebnisse im Sachsenbadschwimmunterricht, die es geschafft haben, dass ich ein halbes Leben Wahnsinnsangst vor Wasser hatte.
Erst mit 38 Jahren lernte ich dann Schwimmen und liebe es ist inzwischen ebenso wie meine Kinder und Enkel, denen es menschlich-kindgerecht beigebracht wurde.
Nein, mit dem Sachsenbad verbindet mich wirklich NICHTS, aber von Herzen wünsche ich mir, dass es ein tolles Bad mit KinderLACHEN wird, das auch Erwachsenen Entspannung bringen möge.

Ute Lepke

… im Sachsenbad hab ich mich vor allem als Kind aufgehalten. Ich war Mitglied der Sektion Schwimmen der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden. Im Sachsenbad fanden in den 1960er Jahren diverse Schwimmwettkämpfe statt, an denen ich teilgenommen habe. Es waren immer aufregende und spannende Stunden.
Es begann immer mit dem Einschwimmen und den Vorläufen. Unsere Sportfreunde saßen auf den Stufen am Beckenrand und feuerten uns an. Durch das Gurgeln des Wassers beim Schwimmen konnte man es zwar nicht hören, aber man wußte es und konnte es auch sehen. Das war eine prima moralische Unterstützung. Zwischen den Einzelwettkämpfen hielten wir uns gerne in den Duschräumen auf und weichten langsam beim Duschen auf. Gerne machten wir auch Wechselduschen: eine kalt und nebenan eine heiß. Dazwischen hüpften wir hin und her. Keiner hat gemeckert. Wir mußten nur auspassen, dass wir den nächsten Wettkampf nicht verpassten. Da meine Familie zu Hause kein Bad hatte, hab ich mich besonders gerne diesen Duschfreuden hingegeben.
Natürlich gehorchten wir unseren Trainern nicht, die uns aufforderten nach einem Vorlauf oder Endlauf den trockenen Badeanzug und darüber den wärmenden Trainingsanzug anzuziehen. Faul liefen wir den ganzen Tag in nassen Klamotten herum, vielleicht waren wir auch darum so gerne im Duschraum.
Besonders toll fand ich es, beim Endlauf auf Bahn drei zu starten. Das war die beste Bahn, aber dafür mußte man im Vorlauf die beste Zeit vorgelegt haben. Das schaffte man natürlich nicht immer. Ein Höhepunkt war immer die Siegerehrung, bei der man dann eine Urkunde oder sogar eine Medaille bekam. Die ganze Mannschaft freute sich mit.
Das war mein Bericht zu Erlebnissen im Sachsenbad. Ich hab schöne Erinnerungen an das Bad und würde mich sehr freuen, wenn es endlich gerettet würde. Immerhin ist es doch auch ein Baudenkmal.

Uta Losack

…. O. K. lieber Verein zur Rettung unseres Kultbades – hier kommen die wirklichen Highlights !
1987 gab`s Fasching im Sachsenbad, das war richtig cool mit Rauchen drinnen, Alkohol, Luftschlangen, Konfetti & wer weiß was noch! Wir hatten Spaß… Natürlich haben wir vorher als Kids auch da rumgplantscht und sind als Schwimmer unsere Bahnen gezogen.
Zwei meiner drei Brüder waren Rettungsschwimmer & ich hab ’ne Weile in der Sauna gearbeitet. Die Zeit kann man nicht zurückdrehen und nie wieder wird es so unkompliziert sein wie damals, aber wir brauchen das Bad ! …
fight hard for this location ! so long …

Katie Sennewald

… die Erlebnisse im Sachsenbad in meiner Kindheit haben dazu geführt, dass Schwimmen ein lebenslanges Hobby für mich geworden ist. Schon wegen meiner Erinnerungen und auch meines gegenwärtigen sehr nahen Wohnortes bin ich ebenfalls sehr dafür, dass das Sachsenbad wieder ein Bad für alle wird, ein Gesundheitsbad, in dem man langfristig etwas für
seine Gesundheit aber auch für seine Sicherheit tun kann, indem man mit Freude an der Sache dafür sorgt, die in der Jugend erworbenen Grundfertigkeiten im Verhalten im Wasser nicht zu verlernen. …

Es muss im Herbst des Jahres 1949 gewesen sein. Die Mutter meines Freundes Ehrhard sagte eines Tages zu uns: „So, damit ihr nicht vergesst, was ihr im Sommer gelernt habt, fahrt ihr über den Winter jede Woche einmal in die Schwimmhalle zum Schwimmen.“ – Die „Schwimmhalle“ war damals in Dresden das Sachsenbad. Ich war zehn Jahre alt und hatte in Folge des Krieges nur noch meine Mutter. Seit dem Sommer 1947 etwa hatte ich mich im Freibad bemüht, schwimmen zu lernen, die Bewegungen hatte ich bei Erwachsenen gesehen, sie mir auch einmal von meiner Mutter in der Küche zeigen lassen und mich über Hundepaddeln nach und nach zum Brustschwimmen vorgearbeitet, das ich dann im Sommer 1949 so einigermaßen konnte. Beim Schwimmen im tiefen Becken hatte ich Erhard gesehen, den ich aus dem Wohngebiet kannte und der schon schwimmen konnte, obwohl er ein Jahr jünger war. Seine Eltern hatten es ihm beigebracht. Wir machten von da an viele Dinge gemeinsam, wurden Freunde, seine Eltern nahmen mich auf Ausflüge mit und so verging der Sommer.

Im Winter 1949/1950 fuhren wir nun jede Woche einmal in das Sachsenbad. Wir stiegen in „Altreick“ in die Linie 9 und fuhren bis zum „Trachenberger Platz“. Ob bei der ersten Fahrt jemand von Erhards Eltern mitgefahren ist oder ob Erhard oder ich von einer früheren Fahrt wussten, wie man zum Sachsenbad kommt, weiß ich nicht mehr. Für uns war es jedenfalls keine große Sache und unsere Eltern sahen das auch so. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde. Wir vertrieben uns die Zeit, indem wir die Firmen-Aufschriften über den Geschäften umformulierten und darüber lachten. Als Kind kann man ja über Dinge lachen, die für Erwachsene alles andere als lustig sind. Bis zum Bad waren es dann noch zehn Minuten zu laufen.

Das Sachsenbad erschien uns damals als großes Gebäude. Schon im Vorraum rochen wir das gechlorte Wasser und fühlten die feuchte Luft. Die Wand in der sich das Fenster der Kasse befand, war aus Holz und in Braun gehalten und der Fußboden gefliest. Man konnte eine Kabine oder einen Schrank nehmen. Ich denke, für Kinder kostete die Kabine 20, der Schrank 10 Pfennige. Das konnte ich mir von meinem Taschengeld, das mir meine Mutter jeden Monat gab, leisten. Wir nahmen immer einen Schrank. Wenn man bezahlt hatte, bekam man eine Quittung, auf der hinten die Ankunftszeit von Hand aufgeschrieben war, dann stieg man die Treppe rechts oder links der Kasse nach oben. In der ersten Etage befanden sich die Kabinen, in der zweiten die Schränke. Von der zweiten Etage konnte man hinunter auf das Schwimmbecken sehen und hörte den Lärm der tobenden Kinder. Die Quittung zeigte man dem Ordner, von dem man eine Marke aus Blech mit der Nummer des Schrankes erhielt und der den Schrank mit einem Vierkantschlüssel, der an jedem Schrank passte, aufschloss. Da man insgesamt nur eine dreiviertel Stunde Zeit hatte, beeilten wir uns immer mit dem Umkleiden, drückten den Schrank zu, banden das Blechschild mit der Nummer des Schrankes in das Band unserer Badehosen ein und gingen nach unten in den Duschraum für Männer und nach dem Duschen weiter in die Schwimmhalle. Dort tobten, schwammen, tauchten wir und sprangen vom Ein-Meter-Brett, wie wir es aus dem Freibad kannten. In Abständen von, denke ich jetzt, zehn Minuten schrieb der Bademeister Nummern von Kabinen und Schränken mit Kreide an eine schwarze Tafel und dann ertönte ein Signal, ich denke es war ein Hup-Ton, vielleicht auch ein Pfeifsignal, dann mussten diejenigen, die die angeschriebenen Nummern hatten, die Schwimmhalle verlassen und durch die Dusche zum Ordner in der Garderobe gehen, der den Schrank mit der auf dem Blechschild stehenden Nummer aufschloss.

Nach dem Winter im Sachsenbad war uns alles vertraut, was mit dem Aufenthalt im Wasser zu tun hatte wie Tauchen, schnell genug die Luft anzuhalten, wenn man unverhofft eine Welle ins Gesicht bekam, ins Wasser springen. Wir fühlten uns im Wasser zu Hause und wir waren stolz darauf, denn unsere Freunde aus der Siedlung und der Schule konnten das meist noch nicht.

Darüber hinaus hatte ich im Sachsenbad aber noch ein besonderes Erlebnis, das Bedeutung für mein ganzes weiteres Leben und meine Einstellung zum Schwimmen bekam. Bei solch einem Badbesuch rief mich plötzlich der Bademeister aus dem Wasser. Ich hatte sofort das Gefühl: „Jetzt hast du etwas Verbotenes gemacht, wusste aber nicht was.“ Es gibt ja in solchen Einrichtungen wie auch in der Schule immer Regeln, die man einhalten muss. Die stehen auf einer Tafel, die irgendwo ausgehangen ist, aber als Kind stellte man sich nicht davor, um sie zu lesen. Außerdem verstand man das Amtsdeutsch, in dem diese Regeln allgemein abgefasst waren, meist nicht richtig. Man richtete sich deshalb danach, was die anderen machten. Und was die nicht machten, war wahrscheinlich nicht erlaubt, genau wusste man es aber nicht. Ich stieg also aus dem Wasser und machte ein zerknirschtes Gesicht. Ich wollte mir erklären lassen, was ich falsch gemacht hatte und dann sagen dass ich es nicht wieder tun will. Aber der Bademeister sah mich freundlich an. „Du schwimmst falsch“, sagte er. „Du musst die Arme nach vorn gestreckt halten bis die Beine geschlossen sind. Die Arme können sich dann einen Moment ausruhen, werden nicht so schnell müde und du kommst schneller vorwärts“.

Wieder im Wasser probierte ich das und tatsächlich, ich hatte das Gefühl, besser vorwärts zu kommen. Es strengte mich weniger an und ich konnte weiter schwimmen. An den nächsten Badetagen achtete ich immer darauf und nach und nach wurde diese etwas andere Schwimmbewegung für mich zur Gewohnheit.

Im Sommer darauf war ich mit Günter, einem Klassenkameraden, der unser bester Fußballspieler in der Klasse war, und dessen Freunden aus deren Wohngebiet im Mockritzer Bad in Dresden. Das Mockritzer Bad war ein Naturbad, das Ufer von einer Mauer eingefasst und damals etwa 250 mal 250 Meter groß. Es gab darauf eine Insel mit Bäumen, Schaukeln im Wasser, eine Wasserrutsche, einen Sprungturm und natürlich Kabinen und Liegewiesen im Gelände. Die Freunde von Günter waren zwei Jahre älter und etwa einen Kopf größer als wir und kamen auf den Gedanken, von den Schaukeln zur Wasserrutsche zu schwimmen. Das waren etwa 150 – 200 Meter schräg durch das Becken. Günter und ich trauten uns das noch nicht zu, ich dachte aber, dass ich es vielleicht doch schaffen könnte. Als die großen Jungen schon 30 Meter geschwommen waren, entschloss ich mich, ebenfalls mit zu schwimmen und dachte: “Die werden dir schon helfen, wenn du es nicht schaffst.“ Es ging leicht, ich kam gut vorwärts. Noch vor der halben Strecke hatte ich die großen Jungen ein, überholte sie, ohne mich besonders anzustrengen und war als Erster an der Wasserrutsche. Sie waren überrascht und „Du kannst aber gut schwimmen“, war Ihr Kommentar. Und ich dachte an den Bademeister im Sachsenbad, sagte aber nichts dazu.

Ein paar Jahre später, ich war inzwischen 14 Jahre alt und im achten Schuljahr, waren Schulmeisterschaften im Schwimmen im Prohliser Freibad, in das wir immer zum Schwimmen gingen. Ich hatte mich gemeldet zum Brustschwimmen und Rückenschwimmen. Beides ging über einhundert Meter. Rückenschwimmen absolvierte ich in Abwandlung des Brustschwimmens als Rückengleichschlag, machte aber Armschlag und Beinschlag abwechselnd, also den Armschlag mit gestreckten Beinen und den Beinschlag mit gestreckten Armen. Ich hatte gemerkt, dass man so schneller vorwärts kommt. In beiden Disziplinen wurde ich zweiter, der Sieger war zwar jünger als ich, schwamm aber schon in einem Verein.

Im Sachsenbad war ich auch später noch gelegentlich im Winter mit Freunden aus der Schule. Zum Abitur gehörte auch eine Prüfung im Schwimmen, obwohl wir nie Schwimmunterricht hatten, aber für eine gute Zensur im Sportunterricht musste man bestimmte Zeiten über 100 Meter erreichen, einen Kopfsprung vom Ein-Meter-Brett und 45 Minuten schwimmen (Fahrten-Schwimmer-Zeugnis) können. Und diese Prüfung fand im Sachsenbad statt. Und auch während des Studiums absolvierten wir noch ein Winter-Semester Schwimm-Training im Sachsenbad.

Das Vertrauen in meine Fähigkeiten im Schwimmen habe ich später in meinem Leben nie wieder verloren. Ich hatte nie Angst, über einen See von mehreren 100 Metern Breite zu schwimmen und im Schwarzen Meer weit hinaus zu schwimmen. Im höheren Alter ab 45 Jahren habe ich an Wettkämpfen teilgenommen mit guten Ergebnissen in der Altersklasse. Mit fast 50 Jahren habe ich mir das Ausdauer-Freistilschwimmen beigebracht. Später habe ich zwölf Mal am Sundschwimmen teilgenommen, einem Massensport-Wettbewerb über 2315 m über den Strehlasund von Altefähr auf der Insel Rügen zum Strandbad in Strahlsund. Bei meiner letzten Sund-Überquerung war ich bereits 75 Jahre alt.

Nun wird mein nächster Geburtstag der 80. sein, ich fühle mich immer noch weitgehend gesund, schwimme regelmäßig jede Woche in einem Verein, kann auch noch größere Strecken Freistil schwimmen. Ich denke, es ist gut für das Leben im Arbeitsalltag, wenn man so eine Tätigkeit hat, die man mit Freude ausführt, die einen körperlich fordert, die man ausüben kann, wenn man sich sonst vor dem Fernsehapparat langweilen würde und von der man mit geduschtem Körper und gewaschenen Haaren mit wenig Ausrüstung die praktisch keine Pflege benötigt, zufrieden nach Hause zurückehrt. Schwimmen sollte schon aus Sicherheitsgründen jeder können. Das muss aber ständig etwas geübt werden, damit man die Grundfertigkeiten des Verhaltens im Wasser nicht wieder verlernt. Dazu ist es erforderlich neben dem Schwimmunterricht in der Schule, dass auch im Winter ein Schwimmbad für alle zur Verfügung steht, in dem man ohne den Zwang, in einem Verein zu sein und das Schwimmen leistungsorientiert zu betreiben, zur eigenen Freude und zum Nutzen für die Gesundheit schwimmen kann. – So, wie es früher im Sachsenbad möglich war.

Klaus Tilger

Sachsenbad und Putzfrauen, damals (und heute)

Damals als Schüler im Sachsenbad – welche Erinnerung ist geblieben? 45 Minuten Badezeit. Keine Garderobenschränke, sondern die Straßenkleidung nahmen Garderobenfrauen entgegen. Nicht weiter interessant. Aber die Frauen kontrollierten unnachgiebig, ob wir jeder auch Seife mithatten. Ohne Seife kein ordentliches Duschen. Wer keine Seife hatte, bekam ein kleines Seifenstück (rechteckig länglich, rhombischer Querschnitt?) für 10 Pfg.

Das Wasser im Becken war damals nicht so komfortabel warm wie heutzutage üblich. Also immer mal fix raus, erst heiß duschen, dann kalt und fix wieder ins Becken. Die Empfindung überlistet.

Mehr als das ist mir aus der Schülerzeit nicht in Erinnerung.

Später als Student: im Sportunterricht  Schwimmen im Sachsenbad. Oh wie hat uns der Sportlehrer immer wieder in kräfteraubenden Varianten durchs Becken gejagt…

Vorm ersten Schwimmtermin aber bekamen wir – Studenten, alle über 20 Jahre alt –vom Bademeister (?) eine Einweisung. Darunter das Allerwichtigste: Unbedingt und auf jeden Fall sind die Putzfrauen bei jedem Zusammentreffen freundlich zu grüßen. Dieses Grüßen war das Wichtigste im Bad. Der Bademeister wird gewusst haben, wie wichtig ihm die rar verfügbaren Reinigungskräfte waren. Daraus nun die allgemeine Lehre: Verachtet mir die Putzfrauen nicht!

Und nun springen wir in die neue Zeit. Nicht Bade- sondern Betriebsatmosphäre. Für mich in Nordhessen. Selbstverständlich kommt eine Reinigungsfirma (sie ist jetzt auch in Dresden vertreten), die Arbeitsräume zu reinigen, selbstverständlich ist es bei uns in der Firma eine Ausländerin (Türkin? Kurdin? Wer weiß?). Und wie selbstverständlich wird sie scheinbar überhaupt nicht wahrgenommen. Kommt, macht ihre Arbeit, sagt nix, wird nicht gegrüßt. Als wäre sie Luft.Komisch kam mir das vor. Da habe ich sie einfach gegrüßt. Immer wieder und wieder. Und schließlich eines Tages der Erfolg: wir begegnen uns in der Stadt, sie erkennt mich zuerst und grüßt doch tatsächlich. Sie grüßt mich, ich kann nur noch antworten. Wo aber wurde die Grundlage des Erfolgs gelegt? Beim Sportunterricht im Sachsenbad, unterwiesen vom Sachsen-Bade-Meister.

Jürgen Wünsch

… ich bin Baujahr 1961 und war Schülerin der 28.OS-Otto-Buchwitz.
Es war schon damals Pflichtfach, schwimmen zu lernen.Wir haben unser Sachsenbad alle geliebt. Jeder hatte das Recht, kostenlos schwimmen zu lernen. Und ich hatte das große Glück, als begabt für das Turmspringen zu gelten. Talentesucher fanden mich und ich konnte Unterricht im Turmspringen auf der Freiberger Straße nehmen.
Regelmäßig, jeden Samstag nach der Schule, (die damals noch Samstags Pflicht war), gingen wir zum schwimmen in das Sachsenbad, während die Mutter zu Hause die Wohnung putzte. An diesem Tag gabs immer Makkaroni und nach dem Essen, Professor Flimmrich. Eine Regelmäßigkeit und auch eine Besonderheit. Ich finde es sehr wichtig, dass gerade im Norden der Stadt, das Schwimmbad wieder aktiviert wird.
Später, als ich selber schon Kinder hatte, gingen wir regelmäßig in die wunderschöne Sauna, mit dem relativ großen Warmbecken. Eine gesunde Sache für wenig Geld.
Das Sachsenbad ist als eine feste Instanz zu sehen. Ich bin sicher, das vielen Dresdnern das Herz blutet, wenn sie zusehen müssen, wie das Bad von Jahr zu Jahr verkommt. Ich könnte mir vorstellen, das (ähnlich wie bei der Frauenkirche) hier eine Spendenaktion helfen könnte. Und das wir Dresdner am Aufbau des Bades interessiert sind. Dresden soll den Dresdnern gehören und nicht fremden Leuten, die keinen Bezug dazu haben. Das Bad ist ein Schatz!

Ramona Wolf

… ich bin Jahrgang 1936 und habe in der Nähe des Sachsenbades gewohnt. Bereits in den Jahren 1949 / 1950 habe ich in meiner Freizeit und in Sportgemeinschaften wie KWU Dresden und BSG Einheit-Süd dort das Schwimmen ausgeübt. …


Als Kinder bzw. Jugendliche haben wir das Schwimmbad in der 2. Etage betreten. Hier befanden sich die Umkleideschränke. Danach gelangten wir über eine Stiege in den Badebereich. Am Ende der Stiege wurden wir manchmal von einem Bademeister kontrolliert und mussten eine Seifendose mit Inhalt vorweisen. In dem Männer-Duschraum herrschte Hochbetrieb. Daher teilten sich oft 5 Jungen eine Dusche.
Im Schwimmbereich ging es locker zu. Wasserhasch mit Sprüngen vom seitlichen Beckenrand war nicht verboten, und das Springen von den beiden 1m-Sprungbrettern immer erlaubt. Wenn wir unsere Stoffbadekappen trugen, deren Aufnäher auf unsere Sportgemeinschaften hinwiesen, kam es oft vor, dass ein Bademeister, der auch Übungsleiter in einer der genannten Gemeinschaften war, uns an den Beckenrand beorderte. Obwohl wir als zahlende Badegäste anwesend waren, wurden wir angewiesen, uns in der Überlaufrinne festzuhalten und einige Minuten lang Kraul-Beinarbeit zu trainieren.
Das Ende der nutzbaren Hallenzeit für eine Nummernreihe der Umkleideschränke wurde mit Kreide an eine Tafel geschrieben und mit einem Pfiff wurden die Badegäste um Aufmerksamkeit gebeten.
… Als eifrige Schwimmbadnutzer waren wir auch an den Sonderveranstaltungen interessiert, die mehrmals im Jahr für Publikum auf den Tribünen sorgten. So fanden beispielweise spannende Wettkämpfe der Wasserballer statt, bei denen als Schiedsrichter oft der Übungsleiter, Herr Hanicke fungierte. Ein weiterer Veranstaltungshöhepunkt waren die Schauvorführungen der „Dresdner Goldfische“. Damals noch als Reigenschwimmen bezeichnet, wird diese Tradition heute als Synchronschwimmen fortgesetzt. Spektakulär war immer das von den jungen Schwimmerinnen gezeigte Zwölferrad.
Bei einigen Veranstaltungen trat die damalige Elite der Dresdner Wasserspringer auf. Sie nutzten neben den beiden 1m-Brettern, das 3m Brett auch die Balustrade der Zuschauertribünen. Einmal seilte sich ein Sportler mittels Strickleiter aus einem Fenster der Oberlichter über Beckenmitte ab und sprang aus großer Höhe ins Wasser.
Während einer der genannten Veranstaltungen fand eine Schauvorführung des Kajakpaddelns statt. In Erinnerung geblieben ist die Demonstration der „Kenterrolle“ (Eskimorolle), die einem verunglückten Paddler hilft, sich aus einer misslichen Lage zu befreien.
… Im Zusammenhang mit den Trainingsstunden in der BSG Einheit-Süd fallen mir einige Details zur Schwimmhalle ein. Wir Jugendliche schwammen damals im Training ausschließlich 25m-Kurzbahnen, die im Flachwasser des Schwimmbeckens endeten. Danach stiegen wir über die gefliesten Treppen aus dem Wasser und liefen am Beckenrand zu den Startblöcken zurück. Auf diese Art und Weise kamen viele Sportler fast gleichzeitig nacheinander ins Wasser. Allerdings konnte so nicht die Ausdauer für längere Strecken trainiert werden. Als Ziel hatten wir Schwimmanfänger immer die nördliche Hallenwand und dabei besonders die lebensgroße Statue (weibliche Sportlerin mit Ball in der Hand) vor Augen. Wir bewunderten diese metallene Statue beim Training und bei Wettkämpfen. Wo ist die Statue nach Schließung des Sachsenbades verwahrt worden? … Mein Vorschlag: Sollte die Statue noch erhalten und irgendwo verwahrt sein, könnte sie doch in die Ausgestaltung des rekonstruierten Sachsenbades oder einer der neuen Dresdner Schwimmhallen einbezogen werden. …

Dr.-Ing. Wolfgang Löwe

2 Gedanken zu „Zeitzeugen erzählen“

  1. Schöne Geschichten…
    Jeder hat so seine eigenen Erinnerungen…
    Da wir ausgerechnet am 10.Februar
    eine Reise beginnen, kann ich an der Eröffnung nicht teilnehmen…
    Aber danach schaue ich mir die Ausstellung an. Wie lange wird sie zu sehen sein ?
    Herzliche Grüsse
    Bianka Kurze

    1. Liebe Bianka Kurze,
      die Ausstellung wird bis zum 3. April 2020 in der Bibliothek Pieschen zu sehen sein.
      Herzliche Grüße,
      die Sachsenbadinitiative

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